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Bionit® Umweltaspekte Artikel 6

Mehr Zunahmen, weniger Gase

Bentonit im Futter entschärft die Gülle

 

Autor: Karl-Heinz Affeldt, Diplom-Landwirt, 17291 Dedelow

 

(Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt, LW 30/27. 7. 1991)

 

Wo intensive Tierproduktion betrieben wird, haben in der Rinder- und Schweinehaltung einstreulose oder einstreuarme Verfahren den Vorrang. Damit fällt aber ständig mehr Gülle an. Zu den Ländern mit extrem hohem Gülleanteil gehören die Niederlande, Belgien und Luxemburg. 1989 fielen in den Altländern der Bundesrepublik 240 Millionen Tonnen Gülle an, das waren je Hektar LN etwa 30 Tonnen im gleichen Zeitraum fielen in der ehemaligen DDR 45 Millionen Tonnen an, das entsprach ca. 7,3 Tonnen je Hektar LN.
Aus ökologischer Sicht gehen von der Gülle eine Reihe von Ge­fahren aus, die sich nachteilig auf die Umwelt auswirken können. Dazu gehören:

  • Schadgasemissionen im Stall und in dessen Nähe. Diese können gesundheitliche Schäden für Menssch, Tier und Pflanzenwelt verursachen.
  • Durch den hohen Gehalt an leichtlöslichen Stickstoffverbin­dungen sowie unsachgemäße La­gerung und Anwendung entstehen Gefährdungen für Boden, Pflanzen und Grundwasser.
  • Durch intensive Geruchsbelästi­gung können sich Anwohner in ih­rer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen.

 

Nebenwirkungen oft im Unklaren

Auf Grund ökonomischer Zwänge erscheint ein Verbot oder eine fühlbare Einschränkung des Gülleanfalls nicht durchsetzbar. Der Landwirt muß im Interesse einer gesunden Umwelt, aber auch in seinem eigenen Interesse mit hoher Sachkenntnis und Verantwortung die Gülle sinnvoll verwerten. Für Lagerung und Ausbringen sowie für die Einordnung in die Fruchtfolge stehen bereits eine Vielzahl von brauchbaren Lösungen zur Verfügung. In Bezug auf verminderte Geruchsbelästigung und Schadstoffemissionen gibt es derzeit sowohl von der Wissenschaft wie auch aus der Praxis sehr widersprüchliche Aussagen. Eine Reihe von Anbietern versucht auf dem Markt durch mehr oder weniger seriöse Angebote dem Landwirt Produkte zu offerieren, die ihm in dieser Hinsicht helfen sollen. Meist handelt es sich um Präparate, die in Wasser gelöst und der Gülle direkt zugegeben werden. Stofflich setzen sie sich aus reinen oder gemischten Formen von Algenextrakten, Enzymen, Gesteinsmehlen und verschiedene Tonerden zusammen. Leider erfährt in vielen Fällen der Kunde nichts über die genaue Zusammensetzung, die Wirkmechanismen und eventuelle Nebenwirkungen. Meist handelt es sich um Stoffe, die eine große Oberfläche haben und auf Grund ihrer physikalischen und chemischen Beschaffenheit Ionen austauschen können, was zu Umwandlungen führt, andere Stoffe fördern das Bakterienleben. Die Mikroben wandeln Ammoniak in Eiweiß um. Besonders kritisch sind Produkte zu bewerten, die Gesteinsmehle der Tonerden Zeolithe oder Illite enthalten.
Zwar können diese Stoffe in erheblichem Maße Schadstoffe binden, Auf Grund ihrer geringen Quellfähigkeit bilden sie jedoch Sinkschichten und können das Güllesystem unbrauchbar machen.

 

Bentonite bilden die Ausnahme

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Unter den Tonmineralien existiert eine Stoffgruppe, die in der Lage ist sowohl Schadstoffe zu binden als auch durch gute Quellfähigkeit Sinkschichten zu verhindern. Es handelt sich dabei um montmorillonithaltige Bentonite. Auf dem Markt ist ein Produkt erhältlich, das einen sehr hohen Gehalt an speziell aufbereitetem Bentonit hat. Im Gegensatz zu anderen Mitteln wird dieses direkt dem Futter zugegeben. Bereits während der Verdauung sollen Schadstoffe gebunden werden. Wegen der Quellfähigkeit und ihres Pufferungsvermögens sind die Bentonite in der Lage, fütterungsbedingte Stoffwechselerkrankungen zu mildern. Zudem wird der Verdauungsprozess so gesteuert, daß das Tier aufgenommenes Futter besser verwertet. Die Homogenität der Gülle verbessert sich wesentlich. Senk- und Schwemmschichten treten seltener auf.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und Versuchen an den Universitäten Gießen, Göttingen, dem Institut Dummer­storf und anderen Einrichtungen haben diese praktischen Erfahrungen im wesentlichen bestätigt. So berichtet u. a. Dr. Kübler von der Universität Giessen, daß durch den Einsatz von Bentonit-Montmorillonit in der Schweinehaltung der Schadgasgehalt um 29 Prozent gesenkt werden konnte. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch ein praktischer Tierarzt in Bayerbach. Er setzte das gleiche Produkt in 14 Schweineställen ein, dabei konnte die Schadgaskonzentration um 43 Prozent verringert werden. In Prenzlau wurde das Präparat bei Kälbern in zwei großen Milchviehanlagen (je 1.930 Kuhplätze) erprobt. Auf Strohhaltung sank die Schadgaskonzentration um 13,5 Prozent, bei einstreuloser Haltung um 48,6 Prozent. Prof. Dr. Günter, Universität Göttingen, konnte durch den Einsatz dieser speziellen Tonmineralien eine Verbesserung der Tageszunahmen bei Schweinen von 11,4 Prozent bei gleichzeitiger Senkung des Futteraufwandes um 10 Prozent nachweisen. Dr. Weiß, Landwirtschaftskammer Kassel, hat ebenfalls in einem größeren Versuch festgestellt, daß durch den Einsatz speziell aufbereiteter Bentonite der Futterverbrauch bei Schweinen um 10 Prozent gesenkt werden kann. Kübler und Stimm berichten von besserer Futteraufnahme bei Kälbern,

 

Exakte Ergebnisse in Kürze zu erwarten

Seit Herbst 1990 werden. diese Bentonite in einer Reihe von Großanlagen der Milchproduktion in den neuen Ländern der Bundesrepublik mit gutem Erfolg angewendet. Stellvertretend sollen folgende Anlagen genannt werden: Anlage Steinhagen, Kreis Bützow; Anlage Sandhagen, Kreis Neubrandenburg; Anlage Klausnitz, Kreis Chemnitz-Land. Besonders gute Erfolge in der Kälberproduktion haben die Anlagen Zarnekow, Kreis Malchin; Barth und Ferchau, Kreis Gardelegen. So berichten die Anlagenbetreiber übereinstimmend, daß die Fließfähigkeit und Homogenität der Gülle sich merklich verbessert hat. Der allgemeine Gesundheitszustand der Kühe und Kälber habe sich positiv entwickelt.
Bisherige Ergebnisse und Erfahrungen lassen die speziell aufbereiteten montmorillonithaltige Bentonite als ein gutes Hilfsmittel erscheinen, eine umweltschonende Tierproduktion zu betreiben. Wissenschaftlich fundierte Versuche dazu sind derzeit im Gange. Wer derartige Präparate einsetzen will, sollte sich von den verschiedenen Anbietern neutrale Untersuchungsergebnisse sowie Referenz­betriebe nennen lassen und dort vorab die Wirkungen nachprüfen.

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